Cannabis legal, Alkohol gesellschaftsfähig: Deutschlands heuchlerische Drogenpolitik im Fokus

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Deutschland geht mit Cannabis und Alkohol ziemlich unterschiedlich um. Während Alkohol als ganz normale Gesellschaftsdroge durchgeht, blieb Cannabis bis 2024 komplett verboten. Das wirkt schon ziemlich widersprüchlich, wenn man mal die echten Gesundheitsrisiken der beiden Substanzen vergleicht.

Geteiltes Bild mit Cannabisblättern und -glas auf der einen Seite und Menschen, die in einer Kneipe Biergläser anstoßen, auf der anderen Seite.

Die deutsche Drogenpolitik geht mit weniger schädlichen Substanzen oft härter um als mit gefährlicheren legalen Drogen wie Alkohol. Seit April 2024 ist Cannabis teilweise legal, aber die Umsetzung läuft alles andere als rund. Die viel diskutierten Cannabis Social Clubs? Die spielen bisher kaum eine Rolle, und der Schwarzmarkt bleibt bestehen.

In diesem Artikel schauen wir uns an, wie sich die Gesetzeslage verändert hat und warum viele Experten von einer gescheiterten Drogenpolitik sprechen. Die ersten Studien zur Legalisierung liefern schon jetzt ziemlich überraschende Erkenntnisse – vor allem, wenn’s um Jugendschutz und Kriminalität geht.

Widersprüche in Deutschlands Drogenpolitik

Zwei Hände, eine hält ein Cannabisblatt, die andere ein Bierglas, vor unterschiedlichen Hintergründen, die Deutschlands widersprüchliche Drogenpolitik zeigen.

Wenn man sich Deutschlands Umgang mit psychoaktiven Substanzen anschaut, springen die Widersprüche direkt ins Auge. Die Wissenschaft warnt seit Jahren vor den Gefahren von Alkohol, aber die Gesellschaft akzeptiert ihn trotzdem.

Andere Substanzen wie Cannabis werden dagegen weiterhin kriminalisiert. Das fühlt sich ehrlich gesagt ziemlich willkürlich an.

Vergleich von Alkohol- und Cannabisregulierung

In Deutschland kann man Alkohol ab 16 Jahren legal kaufen und trinken. Cannabis? Das wurde erst 2024 teilweise legalisiert – und das auch nur unter ziemlich strengen Bedingungen.

Diese Ungleichbehandlung hat eigentlich keine wissenschaftliche Grundlage. Alkoholkonsum fordert jedes Jahr rund 74.000 Menschenleben in Deutschland.

Die gesellschaftlichen Kosten liegen bei über 40 Milliarden Euro jährlich. Todesfälle durch Cannabis-Überdosierung? Die gibt’s praktisch nicht.

Die Unterschiede in der Regulierung sind schon ziemlich deutlich:

SubstanzMindestalterVerkaufsstellenWerbung erlaubt
Alkohol16 (Bier/Wein), 18 (Spirituosen)Überall verfügbarJa
Cannabis18Nur Cannabis-ClubsNein

Grüne und FDP setzen sich für eine kontrollierte Cannabis-Freigabe ein. Sie meinen, die bisherige Drogenpolitik sei gescheitert.

Stellung von Tabakprodukten und gesellschaftliche Akzeptanz

Tabakprodukte sind trotz der bekannten Krebsgefahr immer noch gesellschaftlich akzeptiert. Rauchen tötet jedes Jahr etwa 127.000 Menschen in Deutschland.

Die Bundesregierung hat zwar Gesetze zum Nichtraucherschutz erlassen. Tabak bleibt trotzdem legal und wird nur mäßig besteuert.

Zigarettenwerbung ist erst seit 2021 komplett verboten. Cannabis dagegen gilt immer noch als „gefährliche Droge“.

Viele Studien zeigen, dass Cannabis viel weniger abhängig macht als Nikotin. Trotzdem hält sich das Stigma hartnäckig.

Man sieht die Doppelmoral besonders klar: Raucher gelten als normale Konsumenten, während man Cannabis-Nutzer lange kriminalisiert hat.

Historische Entwicklung repressiver Maßnahmen

Die repressive Drogenpolitik in Deutschland stammt vor allem aus den 1970er Jahren. Damals verschärfte die Bundesregierung das Betäubungsmittelgesetz deutlich.

Man stufte Cannabis damals in die gleiche Kategorie wie Heroin ein. Das hatte aber nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern eher mit moralischen Vorstellungen.

Friedrich Merz (CDU) fordert, die Teillegalisierung von Cannabis wieder zurückzunehmen. Er setzt auf Abschreckung und Bestrafung.

Studien zeigen aber, dass Prohibition den Konsum nicht wirklich senkt. Die Justiz ächzt unter der Verfolgung von Cannabisdelikten.

Alkoholbedingte Straftaten nimmt man dagegen oft auf die leichte Schulter. Diese Prioritäten kosten viel Geld und bringen wenig Prävention.

Cannabisgesetz: Rechtlicher Rahmen und Umsetzung

Eine Nahaufnahme einer Hand mit einem Cannabiskraut neben einer Gruppe von Menschen, die in geselliger Runde Bier und Wein trinken.

Das Cannabisgesetz (CanG) trat am 1. April 2024 in Kraft. Seitdem dürfen Erwachsene Cannabis privat anbauen und besitzen, aber nur unter strengen Auflagen.

Die neue Regelung erlaubt den Eigenanbau und die gemeinschaftliche Produktion in Anbauvereinigungen. Das klingt erstmal nach Freiheit, aber es gibt viele Haken.

Wesentliche Inhalte des Cannabisgesetzes (CanG)

Das CanG erlaubt Cannabis nur für Erwachsene ab 18 Jahren. Jugendliche bleiben komplett ausgeschlossen.

Erwachsene dürfen bis zu 25 Gramm Cannabis draußen dabei haben. In der eigenen Wohnung sind es bis zu 50 Gramm.

Jede Person darf maximal drei Cannabispflanzen privat anbauen. Diese Pflanzen müssen so gesichert sein, dass Kinder und Jugendliche nicht drankommen.

Das Gesetz will den Umgang mit Cannabis kontrollieren. Es soll den Schwarzmarkt zurückdrängen und Gesundheitsrisiken durch gestreckte Produkte senken.

Gleichzeitig bleiben die Regeln für Jugendschutz ziemlich streng.

Anbauvereinigungen und private Nutzung

Anbauvereinigungen dürfen höchstens 500 Mitglieder haben. Man kann nur in einer solchen Vereinigung Mitglied werden.

Die Abgabe von Cannabis erfolgt ausschließlich an Vereinsmitglieder – und nur für den Eigenbedarf, nicht gewerblich. Private Nutzer bauen ihre drei Pflanzen selbst an und ernten sie.

Der Anbau muss zu Hause oder im eigenen Garten stattfinden. Öffentlicher Anbau bleibt verboten.

Anbauvereinigungen müssen sich offiziell registrieren. Sie dürfen keine Werbung machen und müssen den Jugendschutz besonders ernst nehmen.

Minderjährige kommen da gar nicht erst rein.

Strafrechtliche Aspekte und Veränderungen

Das Betäubungsmittelstrafrecht hat sich durch das CanG ziemlich verändert. Wer die erlaubten Mengen besitzt, macht sich nicht mehr strafbar.

Verstöße gegen die neuen Regeln bleiben aber strafbar. Wer mehr als erlaubt besitzt oder außerhalb der Vereinigung verkauft, riskiert Ärger.

Der Konsum in der Nähe von Schulen und Spielplätzen bleibt verboten. Für Jugendliche gelten Sonderregeln.

Wenn Minderjährige mit Cannabis erwischt werden, setzt man verstärkt auf Prävention statt Strafe.

Regulierung des THC-Gehalts

Das CanG legt fest, wie viel THC das abgegebene Cannabis maximal enthalten darf. Anbauvereinigungen dürfen an Mitglieder von 18 bis 21 Jahren nur Cannabis mit maximal 10% THC abgeben.

Für Erwachsene ab 21 Jahren liegt die Grenze bei 15% THC. Damit will man Gesundheitsrisiken senken, vor allem bei jungen Erwachsenen.

Hohe THC-Werte können psychische Probleme verstärken. Die Begrenzung gehört zum Jugend- und Gesundheitsschutz.

Anbauvereinigungen müssen regelmäßig den THC-Gehalt prüfen lassen. Sie müssen ihre Mitglieder über Risiken informieren.

Wer gegen die THC-Grenzen verstößt, riskiert die Schließung der Vereinigung.

Gesundheitsschutz, Jugendschutz und Suchtprävention

Das neue Cannabisgesetz bringt strenge Regeln für den Schutz von Kindern und Jugendlichen mit. Kritiker halten die Maßnahmen aber für zu schwach.

Gleichzeitig tauchen neue Herausforderungen für Suchtprävention und Straßenverkehr auf.

Maßnahmen zum Schutz von Jugendlichen und Kindern

Das Cannabisgesetz verbietet den Konsum in der Nähe von Minderjährigen komplett. Wer unter 18 ist, darf kein Cannabis konsumieren – auch nicht im Beisein von Erwachsenen.

Verbotszonen sind:

  • Schulen und 200 Meter drumherum
  • Spielplätze und 200 Meter drumherum
  • Kinder- und Jugendeinrichtungen
  • Sportstätten
  • Fußgängerzonen von 7 bis 20 Uhr

Verstoßen Jugendliche gegen die Regeln, informieren die Behörden sofort die Eltern. Ist das Kindeswohl gefährdet, schaltet sich das Jugendamt ein.

Das Amt arbeitet dann mit den Eltern zusammen, damit der Jugendliche an Frühinterventionsprogrammen teilnimmt.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung baut eine digitale Plattform mit Infos zu Cannabis-Risiken auf. Sie entwickelt auch spezielle Beratungsangebote für junge Leute.

Kritik an der Legalisierung und Auswirkungen auf den Jugendkonsum

Viele Experten zweifeln, ob die Maßnahmen wirklich ausreichen. Die 200-Meter-Regel um Schulen und Spielplätze funktioniert in dicht besiedelten Städten kaum.

Kritiker sehen vor allem diese Probleme:

  • Die Kontrolle der Verbotszonen ist schwer machbar
  • Es gibt Unklarheiten, wo genau konsumiert werden darf
  • Präventionsangebote reichen oft nicht aus

Studien zeigen unterschiedliche Ergebnisse. In manchen Ländern stieg der Jugendkonsum nach der Legalisierung leicht, in anderen blieb er gleich oder ging sogar zurück.

Die Normalisierung von Cannabis macht Fachleuten Sorgen. Sie befürchten, dass Jugendliche die Risiken unterschätzen könnten.

Rolle von Suchtprävention und Forschung

Die Suchtprävention muss sich jetzt auf die neue Rechtslage einstellen. Viele Programme werden überarbeitet, damit sie unter den neuen Bedingungen wirken.

Neue Ansätze sind zum Beispiel:

  • Aufklärung über risikoarmen Konsum
  • Früherkennung von problematischem Verhalten
  • Digitale Beratungsangebote
  • Programme, die gezielt bestimmte Gruppen ansprechen

Die Forschung beobachtet die Folgen der Legalisierung genau. Wissenschaftler schauen auf Konsummuster, Gesundheit und wie wirksam Prävention ist.

Anbauvereinigungen müssen ihre Mitglieder über Risiken aufklären. Die BZgA stellt dazu verständliche Materialien bereit.

Kontrollen im Straßenverkehr

Im Straßenverkehr bleibt Cannabis tabu. Die Polizei führt weiterhin Tests durch und kann Führerscheine entziehen.

Besondere Herausforderungen:

  • Es ist schwer, eine aktuelle Beeinträchtigung nachzuweisen
  • Man muss unterscheiden zwischen medizinischem und privatem Konsum
  • Die Grenzwerte sind noch nicht endgültig festgelegt

Wer Auto fährt, muss wissen: Auch legaler Konsum kann den Führerschein kosten. Die Regeln sind hier ziemlich streng.

Neue Testverfahren sollen bald zwischen aktivem THC und Abbauprodukten unterscheiden können. Vielleicht werden Kontrollen dadurch gerechter.

Cannabiskonsum in der Gesellschaft: Entwicklungen und Herausforderungen

In Deutschland greifen immer mehr Menschen zu Cannabis. Die gesellschaftliche Sicht darauf verändert sich langsam, und medizinische Anwendungen gewinnen spürbar an Bedeutung.

Trends beim Cannabiskonsum und gesellschaftliche Wahrnehmung

Wer sich mit dem Cannabiskonsum in Deutschland beschäftigt, merkt schnell: Der Konsum nimmt seit über zehn Jahren zu. 2012 konsumierten nur 4,5 Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 64 Jahren Cannabis. 2024 lag diese Zahl schon bei 9,9 Prozent.

Aktuelle Zahlen zum Cannabiskonsum:

  • Jeder zehnte Erwachsene in Deutschland nutzt Cannabis regelmäßig.
  • Zwei Drittel der Konsumenten sind Männer.
  • Das Durchschnittsalter liegt bei 34 Jahren.
  • Nach Alkohol und Tabak ist Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge.

Die Teillegalisierung im April 2024 hat diesen Trend kaum verändert. Der Anstieg nach der Legalisierung entspricht ungefähr dem der Jahre davor.

Rund 70 Prozent konsumieren Cannabis aus Spaß. 61 Prozent wollen damit Stress abbauen.

Die Gesellschaft bleibt beim Thema Cannabis gespalten. Junge Erwachsene sehen Cannabis immer öfter als normal an. Ältere Generationen bleiben skeptisch.

Fast 90 Prozent der Konsumenten mischen Cannabis mit Tabak und rauchen es.

Medizinische Nutzung und Zugang zu Medizinalcannabis

Patienten kommen seit einigen Jahren leichter an Medizinalcannabis. Ärzte dürfen seit 2017 Cannabis verschreiben, wenn andere Therapien nicht helfen.

Anwendungsbereiche für Medizinalcannabis:

  • Chronische Schmerzen
  • Epilepsie
  • Multiple Sklerose
  • Begleitung bei Chemotherapie
  • Schlafstörungen

Über 30 Prozent der Freizeitkonsumenten sagen, sie nutzen Cannabis für besseren Schlaf. Diese Form der Selbstmedikation kann aber riskant sein. Fachleute warnen davor, Cannabis als Schlafmittel dauerhaft einzusetzen.

Krankenkassen übernehmen die Kosten für Medizinalcannabis nach ärztlicher Verordnung. Häufig lehnen sie Anträge aber erst einmal ab, und Betroffene müssen Widerspruch einlegen.

Die Rolle der Drogenbeauftragten

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung gestaltet die Cannabispolitik aktiv mit. Sie koordiniert zwischen den Ministerien und beobachtet die Folgen der Teillegalisierung.

Aktuelle Schwerpunkte:

  • Jugendschutz verbessern
  • Neue Präventionsmaßnahmen schaffen
  • Den Schwarzmarkt eindämmen
  • Gesundheitliche Auswirkungen beobachten

Wer möchte, kann sich über das Datenportal Sucht und Drogen auf dem Laufenden halten. Die Drogenbeauftragte betont immer wieder, dass Cannabis für Kinder und Jugendliche verboten bleibt.

Sie fordert mehr Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen. Besonders wichtig sind Daten zu Verkehrsunfällen durch Cannabis und zu akuten Gesundheitsproblemen.

Vergleich mit internationalen Ansätzen

Verschiedene Länder gehen ganz unterschiedlich mit Cannabis um. Wer den deutschen Weg verstehen will, sollte ruhig mal einen Blick ins Ausland werfen.

Internationale Modelle:

  • Niederlande: Dort tolerieren Behörden Cannabis in Coffee-Shops schon seit Jahrzehnten.
  • Kanada: Das Land hat Cannabis 2018 komplett legalisiert.
  • Portugal: Hier entkriminalisierte man 2001 alle Drogen.
  • Schweiz: Einige Städte testen gerade den legalen Verkauf in Pilotprojekten.

Deutschland setzt auf einen schrittweisen Ansatz. Eigenanbau und Cannabis-Clubs stehen im Mittelpunkt. Das unterscheidet sich deutlich vom kommerziellen Modell in Kanada oder der lockeren Tolerierung in den Niederlanden.

Ein Blick auf die Erfahrungen zeigt: Mehr Freiheit rund ums Cannabis führt nicht automatisch zu mehr Konsum. In Portugal etwa sanken Drogentote und Kriminalität nach der Entkriminalisierung spürbar.

Viele Experten halten den deutschen Ansatz für vorsichtig. Trotzdem sehen sie darin eine Chance, Jugendschutz und Eindämmung des Schwarzmarkts voranzubringen.

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Marco Zollinger
Marco Zollinger

Marco schreibt als Freizeitautor mit einem entspannten, authentischen Stil. Seine Texte fühlen sich bodenständig an.