In Deutschland werden die Leute immer älter, aber es kommen kaum noch Kinder nach. Das führt dazu, dass immer weniger Junge für die Rente von immer mehr Älteren aufkommen müssen.
Jede Partei kennt das Problem, aber niemand spricht wirklich offen über die Lösung, die wahrscheinlich nötig wäre – eine Rente mit 70 Jahren.

Die aktuelle Regierung stellt sich klar gegen eine Erhöhung des Rentenalters. Arbeitsminister Hubertus Heil sagt deutlich: „Eine Rente mit 70 wird es mit mir nicht geben.“
Wirtschaftsexperten schlagen Alarm. Ohne Reformen könnten die Sozialabgaben bis 2050 auf über 50 Prozent steigen. Das System würde dann wohl zusammenbrechen.
Die Politik verspricht Ihnen stabile Renten, aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Andere Länder wie die Niederlande oder Schweden handeln längst, während Deutschland die schwierigen Entscheidungen weiter aufschiebt.
Was bedeutet das für Ihre Rente? Welche Alternativen gibt’s überhaupt? Ein Blick hinter die politischen Kulissen verrät mehr.
Was bedeutet Rente mit 70 wirklich? Status quo, Hintergründe und Fakten

Das deutsche Rentensystem steht vor großen Veränderungen. Das Renteneintrittsalter steigt schon jetzt schrittweise auf 67 Jahre.
Die Finanzierung gerät durch den demografischen Wandel zunehmend unter Druck.
Reguläres Renteneintrittsalter und aktuelle Gesetzeslage
Ihr Renteneintrittsalter hängt von Ihrem Geburtsjahr ab. Bis 2012 konnten Sie mit 65 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen.
Seitdem steigt das Renteneintrittsalter langsam an. Wer 1958 geboren wurde, muss schon bis 66 arbeiten.
Alle, die ab 1964 geboren sind, erreichen das Renteneintrittsalter erst mit 67 Jahren. Die Anpassung erfolgt stufenweise – je nach Jahrgang um ein bis zwei Monate pro Jahr.
Für einige gibt es Ausnahmen:
- Menschen mit Schwerbehinderung
- Personen mit verminderter Erwerbsfähigkeit
- Langjährig Versicherte mit 45 Beitragsjahren
Wer 45 Jahre eingezahlt hat, kann früher gehen – allerdings verschiebt sich auch hier die Grenze von 63 auf 65 Jahre. Mit 35 Beitragsjahren geht’s ab 63, aber dann müssen Sie Abschläge von bis zu 14,4 Prozent akzeptieren.
Entwicklung der Lebenserwartung und ihre Auswirkungen
Die Lebenserwartung in Deutschland steigt immer weiter. Gleichzeitig bekommen die Menschen weniger Kinder.
Diese Mischung bringt das Rentensystem an seine Grenzen. 2019 lebten etwa 18 Millionen Menschen ab 65 Jahren in Deutschland.
Bis 2037 steigt diese Zahl auf 23,3 Millionen. Danach bleibt sie vermutlich auf diesem Niveau.
Die Zahl der Erwerbstätigen sinkt dagegen stark. Je nach Prognose arbeiten bis 2060 zwei bis zehn Millionen Menschen weniger.
Das heißt: Immer weniger Beitragszahler finanzieren immer mehr Rentner. Das klingt nicht gerade stabil.
Viele Experten sehen deshalb eine längere Lebensarbeitszeit als unausweichlich. Das Verhältnis von Einzahlern zu Rentnern verschlechtert sich weiter – die Finanzierung wackelt.
Wie funktioniert das deutsche Rentensystem?
Das deutsche Rentensystem setzt auf das Umlageverfahren. Arbeitnehmer zahlen ein, und dieses Geld fließt direkt an die aktuellen Rentner.
Es gibt keinen riesigen Topf mit angespartem Geld. Der Beitragssatz zur Rentenversicherung liegt bei 18,6 Prozent des Bruttogehalts.
Sie zahlen die Hälfte, Ihr Arbeitgeber die andere. Zusätzlich schießt der Staat Milliarden als Bundeszuschuss zu.
Das Mindestrentenniveau beträgt 48 Prozent vom durchschnittlichen Nettoeinkommen. Die Ampel-Koalition will das dauerhaft sichern und den Beitragssatz nicht über 20 Prozent steigen lassen.
Um das System zu stützen, plant die Regierung einen Kapitalstock für die Rentenversicherung. Die Erträge daraus sollen später Rentenzahlungen ergänzen.
Finanzielle Herausforderungen der Rentenversicherung
Die Bundeszuschüsse wachsen seit Jahren stetig. Das zeigt, dass die Beiträge längst nicht mehr ausreichen.
Stefan Wolf, Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, warnt: Das Rentensystem ist „mittelfristig nicht mehr finanzierbar“, wenn niemand grundlegend etwas ändert.
Drei Dinge treiben die Kosten nach oben:
- Mehr Rentner, die länger leben
- Immer weniger Beitragszahler
- Steigende Lebenshaltungskosten und Rentenanpassungen
Die Politik steckt im Dilemma. Entweder steigen die Beiträge, das Rentenniveau sinkt oder das Eintrittsalter muss rauf.
Eine Rente mit 70 könnte die Finanzlücke verkleinern – Menschen zahlen länger ein und beziehen kürzer Rente.
Ohne Reformen drohen entweder deutlich höhere Beiträge oder spürbare Rentenkürzungen. Beides dürfte politisch schwer durchsetzbar sein.
Die politische Dimension: Parteien, Akteure und ihre Standpunkte

Beim Thema Rente mit 70 gibt’s in der Politik klare Fronten. Union und Wirtschaftsvertreter halten sie für nötig, SPD, Grüne und Gewerkschaften lehnen sie strikt ab.
Der Koalitionsvertrag blockiert jede Reform. Aber der demografische Druck durch die Babyboomer-Generation wächst – und das wird die Debatte zwangsläufig verschärfen.
Befürworter der Rente mit 70: CDU, IW, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche
Die CDU unter Friedrich Merz spricht sich immer öfter für längeres Arbeiten aus. Sie argumentiert mit den harten Fakten der Demografie und den Kosten.
Katherina Reiche, Wirtschaftsministerin in Brandenburg, zählt zu den prominenten Befürwortern einer flexiblen Rente mit 70. Sie sagt:
- Wer länger lebt, sollte auch länger arbeiten
- Ältere könnten den Fachkräftemangel abfedern
- Freiwilligkeit bleibt wichtig
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) liefert die Zahlen dazu. Studien zeigen: Ohne Reformen steigen die Beitragssätze auf über 24 Prozent.
Wirtschaftsverbände sehen in der Rente mit 70 eine Chance, erfahrene Fachkräfte länger zu halten. Sie fordern flexiblere Übergänge statt starrer Altersgrenzen.
Ablehnung und Kritik: SPD, Grüne, Linke, Gewerkschaften
Die SPD lehnt die Rente mit 70 komplett ab. Sie fürchtet, dass vor allem Menschen mit körperlich schweren Jobs darunter leiden.
Stattdessen setzt sie auf:
- Stärkung der gesetzlichen Rente
- Kampf gegen Altersarmut
- Flexible Übergänge ohne Kürzungen
Die Grünen sind auch dagegen. Sie legen Wert auf:
- Geschlechtergerechtigkeit bei der Rente
- Anerkennung von Carearbeit
- Ökologische Veränderungen in der Arbeitswelt
Die Linke spricht von „Rentenklau“ und fordert eine Rente mit 65 ohne Abschläge und ein höheres Rentenniveau.
Die Gewerkschaften machen mobil gegen die Pläne. Sie verweisen auf die hohe Arbeitslosigkeit älterer Arbeitnehmer und die körperlichen Belastungen vieler Berufe.
Rolle des Koalitionsvertrags und Einfluss der Babyboomer-Generation
Der aktuelle Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung schließt eine Erhöhung des Renteneintrittsalters klar aus. Damit ist das Thema im Moment blockiert.
Doch die Babyboomer-Generation verändert die politische Realität. Ab 2025 gehen jedes Jahr über eine Million Menschen in Rente – so viele wie nie zuvor.
Das sorgt für enormen Druck:
| Zeitraum | Rentner-Zugang | Finanzierungslücke |
|---|---|---|
| 2025-2030 | 1,2 Mio./Jahr | 50 Mrd. Euro |
| 2030-2035 | 1,1 Mio./Jahr | 80 Mrd. Euro |
Die Babyboomer stellen eine riesige Wählergruppe dar. Keine Partei will es sich mit ihnen verscherzen.
Viele Experten glauben, dass der Koalitionsvertrag nach der nächsten Bundestagswahl neu verhandelt wird – dann aber mit ganz anderen Voraussetzungen.
Chancen, Risiken und Alternativen: Die unbequemen Wahrheiten der Rente mit 70
Die Rente mit 70 würde nicht alle gleich treffen. Wer körperlich arbeitet, hätte es deutlich schwerer als jemand im Büro.
Finanziell könnte das System entlastet werden, aber die Unterschiede zwischen den Berufsgruppen würden wachsen.
Soziale und gesundheitliche Folgen für verschiedene Berufsgruppen
Eine längere Lebensarbeitszeit bis 70 trifft körperlich arbeitende Menschen besonders hart. Bauarbeiter, Krankenpfleger und Fabrikarbeiter schaffen es oft gar nicht, bis zu diesem Alter durchzuhalten.
Jahrzehntelange schwere Arbeit verschleißt ihren Körper. Gelenkschäden, Rückenprobleme oder chronische Erschöpfung machen drei zusätzliche Jahre im Job praktisch unmöglich.
Büroarbeiter und Akademiker kommen meist besser weg. Ihre Jobs belasten den Körper weniger, also können sie oft länger arbeiten.
Diese Unterschiede spalten die Gesellschaft ziemlich deutlich. Menschen in körperlichen Berufen müssten früher in Rente gehen – aber mit heftigen Abschlägen.
Das würde ihre ohnehin schon niedrigen Renten noch weiter senken. Viele könnten dadurch in die Altersarmut abrutschen.
Die gesundheitlichen Kosten steigen zwangsläufig. Mehr ältere Arbeitnehmer führen zu mehr Krankheitstagen und höheren Ausgaben im Gesundheitssystem.
Vorteile für das Rentensystem und die Wirtschaft
Die Finanzierung der Rente verbessert sich durch ein höheres Rentenalter spürbar. Jedes zusätzliche Arbeitsjahr bringt der Rentenkasse ungefähr 1.000 Euro mehr pro Person.
Wer bis 70 arbeitet, zahlt drei Jahre länger ein und bekommt das Geld später ausgezahlt. Das entlastet die Rentenkasse um mehrere Milliarden Euro pro Jahr.
Wirtschaftsexperten sehen darin echte Vorteile für Unternehmen. Erfahrene Arbeitskräfte bleiben länger im Betrieb, was gegen den Fachkräftemangel hilft – besonders in technischen Berufen.
Die Rentenbeiträge steigen dadurch weniger stark. Ohne Reform könnten sie auf über 24 Prozent des Bruttogehalts klettern, mit Rente mit 70 bleiben sie niedriger.
Der demografische Wandel verliert etwas an Schärfe. Weniger Rentner und mehr Beitragszahler stabilisieren das Umlageverfahren langfristig.
Belastung und Gerechtigkeit: Wer profitiert, wer leidet?
Gewinner? Das sind meist Leute mit gutem Gehalt und Menschen, die eher entspannte Jobs haben. Sie bleiben länger im Beruf und bekommen dann auch noch mehr Rente.
Akademiker, die gesund bleiben, ziehen daraus den größten Nutzen.
Verlierer sind oft Geringverdiener und Menschen mit harter körperlicher Arbeit. Sie müssen trotz gesundheitlicher Probleme länger durchhalten oder nehmen hohe Rentenabschläge in Kauf.
Die Ungerechtigkeit springt sofort ins Auge:
- Reiche leben länger und kassieren mehr von der späteren Rente.
- Wer wenig verdient, stirbt oft früher und zahlt trotzdem länger ein.
- Frauen mit Kinderpausen? Sie stehen noch schlechter da.
Eine wirklich faire Rentenreform müsste das Rentenalter an den Beruf koppeln. Wer körperlich schuftet, sollte einfach früher ohne Abschläge in Rente gehen dürfen.
Vielleicht helfen auch andere Wege, wie mehr Steuern für die Rente oder gezielte Einwanderung. So könnte das System stabil bleiben, ohne dass es zu solchen sozialen Schieflagen kommt.




